Festival Latino

zapatistisches frauentreffen

Mehr als 5.000 Teilnehmerinnen beim zapatistischen Frauentreffen

(Morelia, 13. März 2018, Cimacnoticias).- Sport, Kultur und Debatten standen im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens, zu dem die Zapatistinnen vom 8. bis 10. März 2018 Besucherinnen aus aller Welt in ihr autonomes Territorium in den Bergen von Chiapas eingeladen hatten. Der Erfolg war überwältigend: es kamen rund 5000 Frauen, mehr als zehn Mal so viele, wie sich angemeldet hatten. Deswegen mussten zahlreiche Frauen auf Bühnen, in Seminarräumen und im Gras schlafen. Insgesamt gab es rund 180 Workshops, Debatten und Theaterstücke. In der stechenden Mittagshitze trugen die Zapatistinnen in ihren Sturmhauben und ihre Besucherinnen aber auch drei Turniere im Fußball, Basketball und Volleyball aus.

Alles war perfekt vorbereitet: Auf dem Fußballplatz des Caracol Morelia, des größten der fünf autonomen Bezirke der Zapatistinnen, war frisches Sägemehl ausgestreut. Die Frauen aus den Gemeinden hatten bergeweise Blusen, Schals und Decken genäht, um mit den Verkäufen an die Besucherinnen ihre Einkünfte aufzubessern. Und die Männer, die compañeros, hielten außerhalb Wache oder sorgten für Ordnung auf dem Parkplatz, auf dem zeitweise 30 Reisebusse Platz finden mussten.

Marichuy wird keine Präsidentin, aber der Kampf um gleiche Rechte geht weiter

Neben Workshops zu Tanz, Zeichnen, Medizin oder Massage gab es auch Debatten über Politik. So informierten die Mütter von Verschwundenen und Opfern von Feminiziden über ihren Kampf gegen die Straflosigkeit. Mexiko verzeichnet mit sieben Frauenmorden am Tag eine der höchsten Feminizidraten Lateinamerikas. 99 Prozent der Fälle bleiben unaufgeklaert.

In der Eröffnungsrede wies Capitana Erika von der zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) darauf hin, dass das Treffen vor allem als Unterstützung für Maria de Jesús Patricio, genannt Marichuy entstanden sei. Im Februar war die Kandidatur von Marichuy, der ersten indigenen Präsidentschaftskandidatin Mexikos, an der fehlenden Zahl der Unterstützerstimmen gescheitert. Dennoch seien die Kandidatur und auch das Treffen eine Ermunterung, den Kampf um gleiche Rechte nicht aufzugeben.

„Weicht nicht zurück, verkauft euch nicht, gebt nicht auf!”

Am Ende war es Alejandra, eine junge Frau aus dem autonomen Bezirk Realidad, die die Besucherinnen noch einmal rührte. Sie hielt die Abschlussrede, und sie machte es in bester zapatistischer Tradition: mit Witz, Ironie, augenzwinkernder Selbstkritik und Bescheidenheit. Sie forderte die Besucherinnen auf, ein Licht in die Welt hinauszutragen: “Tragt es zu den Verschwundenen, den Ermordeten, den Gefangenen, den Vergewaltigten, den Migrantinnen, und sagt ihnen, dass sie nicht alleine sind, sondern dass ihr für sie kämpft. Weicht nicht zurück, verkauft euch nicht, gebt nicht auf!” Da lief den meisten Zuhörerinnen zum Abschluss mehr als eine Träne über die Wange.

Von Sonja Gerth

Quelle: npla.de
Foto: Sonja Gerth

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